Repertoire

Die Kleptomanin



Schon als Mädel war ich immer so erregt,
Lag was da, was einer achtlos hingelegt.
Immer gab's mir durch den Körper einen Riss,
Und dann stahl ich einmal das und einmal dis -
Ach, ich stahl schon meinem Vater das Gebiss!

Denn ich stahl ohne Wahl, ganz egal -
Ja, ich stahl und stahl, und war es selbst aus Stahl!
Ob ich's brauchen konnte, fiel nicht ins Gewicht -
ich stahl auch Busenhalter, was ja für mich spricht,
Denn damals hatte ich noch keinen Busen nicht.
Und das macht mir ein Gefühl - ich kann's nicht sagen:
Im Magen ... im Magen ... im Magen!

Ach, wie mich das aufregt!
Ach, wie mich das aufregt!
Ach, ich kann's nicht sehn, wenn wo was steht,
Ich muß es haben, haben, haben, haben!
Ach, und was ich mause,
Kaum hab ich's zu Hause,
Wird mein Kopf so dumpf und leer,
Bin ich gar nicht sinnlich mehr,
Und ich schmeiß den ganzen Dreck
Weg! Weg! Weg!

Immer treibt's mich was zu klauen mit Gewalt.
Selbst vor Bechstein-Flügeln mache ich nicht halt!
Ach, wie süß, wenn ich erwischt werd' mittenmang!
Und ich muß auch nicht zur Angeklagtenbank,
Denn ich bin ja verrückt, Gott sei Dank!

Nach jeder Zuckerzange, die mir nicht gehört
Werde ich von blinder Leidenschaft verzehrt.
Trinkt 'n Mann wo mit der Gattin mal 'n Bier,
Dann sag ich gleich: "Guter Mann, ich rate Dir:
Ach, verstecke, ach versteck die Frau vor mir!"
Denn mir zuckt's schon wieder, ach wie soll ich sagen
Im Magen ... im Magen ... im Magen!

Ach, wie die mich aufregt!
Ach, wie die mich aufregt!
Ach, ich kann's nicht sehn, wie sie da steht,
Ich muß sie haben, haben, haben, haben!
Ach, und was ich mause,
Kaum hab ich's zu Hause,
Wird mein Kopf so dumpf und leer,
Bin ich gar nicht sinnlich mehr,
Und ich schmeiß den ganzen Dreck
Weg! Weg! Weg!

Text: Friedrich Holländer
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